Fehlstellungen im Wachstum – Wann Handlungsbedarf besteht
Das Wachstum ist eine besonders sensible Phase im Leben eines Hundes. In dieser Zeit entwickeln sich Knochen, Gelenke, Muskeln und Sehnen rasant und nicht immer ganz gleichmäßig. Leichte Fehlstellungen können dabei normal sein, andere sollten jedoch frühzeitig erkannt und begleitet werden, um spätere Beschwerden zu vermeiden.
Was versteht man unter Fehlstellungen im Wachstum?
Fehlstellungen entstehen, wenn Knochen nicht optimal zueinander ausgerichtet wachsen. Häufig betroffen sind die Vorder- und Hintergliedmaßen, aber auch Wirbelsäule und Pfotenstellung. Typische Erscheinungen sind:
O- oder X-Beine
Ein- oder ausgedrehte Pfoten
Übermäßiges Durchtrittigsein
Unharmonisches oder tapsiges Gangbild
Nicht jede Auffälligkeit ist sofort behandlungsbedürftig, entscheidend ist die Entwicklung im Verlauf.
Warum treten Fehlstellungen auf?
Die Ursachen sind vielfältig und oft kombiniert:
Genetische Veranlagung (rassespezifische Risiken)
Zu schnelles Wachstum, häufig durch energiereiches Futter
Über- oder Fehlbelastung im Junghundealter
Rutschige Böden oder falsche Bewegungsreize
Muskuläre Dysbalancen, die das Skelett „ziehen“
Gerade große und schnell wachsende Rassen sind besonders anfällig.
Wann ist Abwarten okay – und wann nicht?
Ein gewisses Maß an Ungleichmäßigkeit ist im Wachstum normal. Kritisch wird es, wenn:
sich die Fehlstellung verschlimmert statt verbessert
der Hund Schmerzen, Lahmheit oder Bewegungsunlust zeigt
das Gangbild dauerhaft asymmetrisch wirkt
der Hund bestimmte Bewegungen meidet oder kompensiert
Spätestens dann sollte fachlicher Rat eingeholt werden.
Die Rolle von Tierarzt und Physiotherapie
Eine frühzeitige Einschätzung ist entscheidend. Während der Tierarzt knöcherne Ursachen abklärt, kann die Tierphysiotherapie gezielt unterstützen:
Förderung einer gleichmäßigen Muskelentwicklung
Verbesserung von Koordination und Körperwahrnehmung
Vermeidung von Fehlbelastungen und Kompensationen
Anleitung zu altersgerechter Bewegung
Je früher angesetzt wird, desto größer ist die Chance, dass sich Fehlstellungen regulieren oder positiv beeinflussen lassen.
Was Hundehalter selbst tun können
Auf angepasste Bewegung statt wilder Überlastung achten
Rutschige Böden im Zuhause möglichst vermeiden
Auf hochwertige, bedarfsgerechte Fütterung achten
Regelmäßig das Gangbild beobachten
Unsicherheiten lieber einmal zu viel als zu wenig abklären lassen
Fazit: Früh hinschauen lohnt sich
Fehlstellungen im Wachstum sind kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Aufmerksamkeit. Mit einem wachsamen Blick, fachlicher Begleitung und angepasster Bewegung lassen sich viele Probleme frühzeitig entschärfen und langfristige Schäden vermeiden.