Narbenentstörung beim Hund - unterschätzter Einfluss auf Bewegung

Narben sind mehr als nur sichtbare Spuren auf der Haut. Nach Operationen, Verletzungen oder Wunden können sie tiefgreifende Auswirkungen auf die Beweglichkeit und das Wohlbefinden eines Hundes haben. Oft werden sie im Alltag übersehen, dabei können unbehandelte Narben Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Fehlhaltungen verursachen.

Warum Narben problematisch sein können

Beim Heilungsprozess entsteht Narbengewebe, das sich deutlich von gesundem Gewebe unterscheidet. Es ist weniger elastisch, schlechter durchblutet und kann umliegende Strukturen beeinträchtigen.

Mögliche Folgen unbehandelter Narben:

  • eingeschränkte Beweglichkeit von Muskeln und Gelenken

  • Spannungen im Fasziengewebe

  • Schonhaltungen und Fehlbelastungen

  • Schmerzen bei bestimmten Bewegungen

  • verändertes Gangbild

  • erhöhte Verletzungsanfälligkeit anderer Körperbereiche

Besonders tückisch: Die Beschwerden treten oft zeitverzögert auf und werden nicht mehr mit der ursprünglichen Narbe in Verbindung gebracht.

Wie Narben Bewegung beeinflussen

Narben können sogenannte „Zuglinien“ im Körper erzeugen. Das bedeutet, dass sie Spannungen auf entfernte Bereiche übertragen, etwa von einer OP-Narbe am Bauch bis in den Rücken oder die Hinterhand.

Typische Beispiele:

  • Nach einer Kastration zeigt der Hund Probleme beim Springen

  • Nach einer Knie-OP bleibt das Gangbild dauerhaft verändert

  • Nach einer Bissverletzung reagiert der Hund empfindlich bei Berührung

Der Körper versucht, diese Einschränkungen auszugleichen, langfristig auf Kosten anderer Strukturen.

Was bedeutet Narbenentstörung?

Die Narbenentstörung ist ein Bestandteil der Tierphysiotherapie und zielt darauf ab, das Narbengewebe wieder beweglicher zu machen und Spannungen zu lösen. Dabei wird nicht nur die sichtbare Narbe behandelt, sondern auch das umliegende Gewebe.

Ziele der Narbenentstörung:

  • Verbesserung der Gewebeelastizität

  • Lösung von Verklebungen

  • Förderung der Durchblutung

  • Reduktion von Schmerzen

  • Wiederherstellung natürlicher Bewegungsabläufe

Methoden der Narbenentstörung

Je nach Art, Alter und Lage der Narbe kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz:

  • Manuelle Mobilisation des Narbengewebes

  • Faszienarbeit

  • Myofasziale Techniken

  • Lasertherapie zur Geweberegeneration

  • sanfte Dehnreize

  • ergänzende Wärmeanwendungen (je nach Befund)

Die Behandlung erfolgt immer individuell und wird an den Hund angepasst.

Wann ist eine Narbenentstörung sinnvoll?

Eine Narbenentstörung kann sowohl kurz nach Abschluss der Wundheilung als auch Jahre später sinnvoll sein. Besonders empfehlenswert ist sie bei:

  • Operationen (z. B. Kastration, orthopädische Eingriffe)

  • tiefen Verletzungen oder Bisswunden

  • auffälligem Gangbild ohne klare Ursache

  • wiederkehrenden Verspannungen

  • Bewegungseinschränkungen trotz erfolgreicher OP

Fazit: Kleine Narbe, große Wirkung

Narben können den Körper eines Hundes nachhaltig beeinflussen, oft unbemerkt. Die Narbenentstörung ist eine wertvolle, häufig unterschätzte Maßnahme, um Beweglichkeit, Wohlbefinden und Lebensqualität langfristig zu verbessern. Ein genauer Blick lohnt sich, denn manchmal liegt die Ursache für Beschwerden dort, wo man sie am wenigsten vermutet.

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