Warum du deinen Hund beim Spaziergang ruhig schnüffeln lassen solltest

„Komm, weiter!“

Diesen Satz hört wahrscheinlich fast jeder Hund regelmäßig beim Spaziergang.

Denn während wir einfach unsere Runde laufen möchten, bleibt unser Hund gefühlt an jedem zweiten Grashalm stehen. Hier wird geschnüffelt, dort noch einmal umgedreht und zehn Meter später scheint die nächste Stelle plötzlich mindestens genauso interessant zu sein.

Was für uns manchmal wie Zeitvertrödeln aussieht, ist für deinen Hund jedoch ein wichtiger Teil des Spaziergangs.

Denn Hunde erleben ihre Umwelt zu einem großen Teil über ihre Nase.

Die Nase ist für deinen Hund wie eine Zeitung

Wir Menschen orientieren uns hauptsächlich mit unseren Augen.

Hunde nehmen ihre Umwelt dagegen sehr stark über Gerüche wahr.

Wenn dein Hund ausgiebig an einem Baum, einer Laterne oder einem Grashalm schnüffelt, riecht er dort nicht einfach nur „Hund“.

Gerüche können ihm Informationen darüber geben, welche Tiere vor ihm an dieser Stelle waren und was sich in seiner Umgebung verändert hat.

Für deinen Hund ist eine interessante Schnüffelstelle deshalb ein bisschen wie für uns eine Nachricht:

Wer war hier? Was ist passiert? Gibt es etwas Neues?

Während du also vielleicht nur einen gewöhnlichen Baum siehst, steckt für deinen Hund dort eine ganze Menge Information.

Schnüffeln beschäftigt den Kopf

Ein guter Spaziergang muss nicht immer möglichst viele Kilometer haben.

Auch das Erkunden von Gerüchen beschäftigt deinen Hund.

Beim Schnüffeln nimmt er Informationen auf, verarbeitet sie und entscheidet anschließend, welcher Spur oder welchem Geruch er weiter Aufmerksamkeit schenken möchte.

Das bedeutet:

Auch wenn dein Hund körperlich gerade nur langsam unterwegs ist, passiert im Kopf eine ganze Menge.

Deshalb kann eine gemütliche Schnüffelrunde durchaus eine sinnvolle Form der Beschäftigung sein.

Nicht jeder Spaziergang muss ein Fitnessprogramm sein

Natürlich braucht dein Hund Bewegung.

Muskulatur, Gelenke und Herz-Kreislauf-System profitieren von regelmäßiger, angemessener Aktivität.

Trotzdem muss nicht jede Runde möglichst schnell oder möglichst lang sein.

Gerade im Alltag entsteht manchmal der Gedanke:

„Wir müssen heute noch unsere Kilometer schaffen.“

Für deinen Hund kann eine kürzere Runde mit ausreichend Zeit zum Erkunden aber mindestens genauso interessant sein wie ein langer Spaziergang, bei dem er ständig weitergezogen wird.

Ideal ist eine gute Mischung.

Es darf Abschnitte geben, in denen ihr gemeinsam zügig lauft – und genauso Abschnitte, in denen dein Hund einfach Hund sein und seine Umgebung erkunden darf.

Schnüffeln kann besonders für Seniorhunde schön sein

Auch ältere Hunde möchten beschäftigt werden.

Vielleicht schafft dein Senior inzwischen keine zweistündige Wanderung mehr oder kann körperlich nicht mehr mit jüngeren Hunden mithalten.

Das bedeutet aber nicht, dass Spaziergänge langweilig werden müssen.

Eine ruhige Runde mit ausreichend Zeit zum Schnüffeln ermöglicht deinem Hund, seine Umwelt weiterhin intensiv wahrzunehmen, ohne dass dafür eine hohe körperliche Belastung notwendig ist.

Gerade bei älteren Hunden kann es deshalb sinnvoll sein, Spaziergänge nicht ausschließlich danach zu beurteilen, wie weit ihr gekommen seid.

Manchmal sind 20 interessante Minuten wertvoller als eine möglichst lange Strecke.

Auch Hunde in der Rehabilitation profitieren von Abwechslung

Nach einer Operation oder Verletzung darf ein Hund häufig zunächst nur kontrolliert und eingeschränkt bewegt werden.

Für aktive Hunde kann das ziemlich langweilig werden.

Wenn es medizinisch erlaubt ist, kann ruhiges Schnüffeln während kontrollierter Spaziergänge eine Möglichkeit sein, etwas mehr Abwechslung in diese Zeit zu bringen.

Wichtig ist natürlich, dass die Vorgaben des behandelnden Tierarztes beziehungsweise der Therapie eingehalten werden.

Denn ein spannender Geruch kann auch dazu führen, dass ein Hund plötzlich in die Leine springt oder einer Spur folgen möchte.

Muss ich meinen Hund jetzt überall schnüffeln lassen?

Nein.

Natürlich gibt es Situationen, in denen dein Hund weitergehen sollte.

Vielleicht müsst ihr eine Straße überqueren, jemandem Platz machen oder du möchtest einfach einmal zügig von A nach B kommen.

Es geht nicht darum, dass dein Hund ab sofort an jedem Grashalm fünf Minuten stehen bleiben muss.

Vielmehr kannst du bewusst Phasen einbauen, in denen er Zeit zum Erkunden bekommt.

So kann dein Hund lernen:

Jetzt laufen wir gemeinsam weiter – und jetzt darf ich mir Zeit nehmen.

Schnüffeln oder einfach nur stehen bleiben?

Auch hier lohnt es sich, deinen Hund zu beobachten.

Schnüffelt er entspannt mit lockerer Körperhaltung und bewegt sich interessiert von einer Stelle zur nächsten?

Oder bleibt er plötzlich stehen, wirkt angespannt und fixiert seine Umgebung?

Nicht jedes Stehenbleiben bedeutet automatisch, dass dein Hund gerade gemütlich Gerüche untersucht.

Besonders wenn sich sein Verhalten plötzlich verändert, er ungewöhnlich langsam wird oder häufig stehen bleiben möchte, sollte man genauer hinschauen.

Denn auch Unsicherheit, Überforderung oder körperliche Beschwerden können dazu führen, dass ein Hund beim Spaziergang anders läuft als sonst.

Eine Schnüffelrunde darf langsam sein

Wir Menschen messen Spaziergänge gerne in Kilometern, Minuten oder Schritten.

Unser Hund hat davon keine Ahnung.

Für ihn kann eine Stelle am Wegesrand interessanter sein als die nächsten 500 Meter Strecke.

Deshalb darf es durchaus Spaziergänge geben, bei denen ihr bewusst langsamer unterwegs seid.

Lass deinen Hund Wege erkunden.

Gib ihm Zeit an interessanten Stellen.

Vielleicht lässt du ihn gelegentlich sogar entscheiden, an welcher Kreuzung es weitergeht.

Das macht aus einer gewöhnlichen Runde schnell eine kleine Entdeckungstour.

Unser Fazit

Schnüffeln ist für deinen Hund nicht einfach nur Zeitvertrödeln.

Über seine Nase entdeckt er seine Umwelt, sammelt Informationen und beschäftigt sich intensiv mit seiner Umgebung.

Natürlich braucht dein Hund weiterhin ausreichend Bewegung – aber ein guter Spaziergang muss nicht ausschließlich daraus bestehen, möglichst viele Kilometer zurückzulegen.

Manchmal darf die Hunderunde langsam sein.

Manchmal darf dein Hund entscheiden, welcher Grashalm heute besonders spannend ist.

Und manchmal ist es völlig in Ordnung, einfach ein paar Minuten stehen zu bleiben.

Denn während du vielleicht nur wartest, entdeckt dein Hund gerade seine Welt.

Weiter
Weiter

Grünlippmuschel, Gelenkpulver & Co. – was braucht dein Hund wirklich?