Hunderunde: Beschnuppern oder lieber Abstand halten?
Du bist mit deinem Hund unterwegs, euch kommt ein anderes Mensch-Hund-Team entgegen – und schon stellt sich die Frage: Dürfen die beiden sich kurz beschnuppern oder gehen wir lieber mit etwas Abstand vorbei?
Für viele gehört die direkte Begrüßung anderer Hunde ganz selbstverständlich zum Spaziergang dazu. Schließlich sind Hunde soziale Lebewesen und der Kontakt zu Artgenossen ist wichtig.
Doch bedeutet das auch, dass dein Hund jeden fremden Hund kennenlernen muss?
Ganz klar: Nein.
Nicht jede Hundebegegnung braucht direkten Kontakt. Manchmal ist ein entspanntes Vorbeigehen sogar die bessere Entscheidung.
Schnüffeln gehört zur Kommunikation
Wenn zwei Hunde aufeinandertreffen, spielt der Geruch eine wichtige Rolle.
Über Gerüche können Hunde zahlreiche Informationen über ihr Gegenüber aufnehmen. Deshalb gehört gegenseitiges Beschnuppern grundsätzlich zu ihrer natürlichen Kommunikation.
Wenn beide Hunde entspannt sind, genügend Platz haben und Kontakt möchten, kann eine kurze Begegnung deshalb vollkommen in Ordnung sein.
Entscheidend ist aber: Beide Hunde sollten die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie diesen Kontakt möchten.
Muss mein Hund jeden Hund begrüßen?
Nein.
Stell dir vor, du müsstest bei jedem Spaziergang mit jedem Menschen stehen bleiben, der dir entgegenkommt – ganz egal, ob du gerade Lust darauf hast oder nicht.
Bei unseren Hunden erwarten wir genau das erstaunlich häufig.
Dabei haben auch Hunde unterschiedliche Charaktere und Bedürfnisse. Manche freuen sich über nahezu jede Begegnung, andere wählen ihre Sozialpartner lieber sorgfältig aus.
Und das ist vollkommen in Ordnung.
Ein Hund, der nicht jeden fremden Hund begrüßen möchte, ist deshalb nicht automatisch unsozial oder schlecht sozialisiert.
Warum Begegnungen an der Leine schwierig sein können
Gerade an der Leine entstehen schnell Situationen, die für Hunde unangenehm werden können.
Die Leine schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Dein Hund kann nicht einfach einen größeren Bogen laufen oder Abstand nehmen, wenn ihm eine Begegnung zu viel wird.
Besonders direkte, frontale Begegnungen können dadurch unangenehm sein.
Hinzu kommt ein weiterer Klassiker: Zwei Hunde beginnen sich zu beschnuppern, drehen sich umeinander – und plötzlich sind beide Leinen miteinander verknotet.
Was zunächst entspannt war, kann dadurch schnell hektisch werden.
Wenn Kontakt an der Leine stattfinden soll, sollte deshalb möglichst ausreichend Platz vorhanden sein und die Leine locker bleiben.
Woran erkenne ich, ob mein Hund Kontakt möchte?
Nicht jeder Hund sagt deutlich „Nein“.
Deshalb lohnt es sich, auf die Körpersprache zu achten.
Ein entspannter Hund bewegt sich meist locker, nähert sich nicht übermäßig hektisch und kann sich auch wieder vom anderen Hund lösen.
Möchte dein Hund dagegen lieber Abstand, kann sich das zum Beispiel so zeigen:
er weicht aus oder läuft einen Bogen
er bleibt plötzlich stehen
er dreht den Kopf weg
er sucht Schutz bei dir
er versucht, die Straßenseite zu wechseln
sein Körper wirkt angespannt oder steif
er fixiert den anderen Hund
er möchte schnell weitergehen
Auch Gähnen, Lippenlecken oder demonstratives Schnüffeln am Boden können in bestimmten Situationen Hinweise auf Anspannung sein.
Wichtig ist dabei immer das Gesamtbild. Ein einzelnes Signal allein sagt noch nicht automatisch, wie dein Hund sich fühlt.
Abstand halten ist völlig in Ordnung
Wenn du merkst, dass dein Hund keinen Kontakt möchte, darfst du ihm diesen Abstand geben.
Du kannst einen kleinen Bogen laufen, die Straßenseite wechseln oder an einer geeigneten Stelle kurz ausweichen.
Das ist kein Versagen.
Im Gegenteil: Dein Hund kann dadurch lernen, dass du seine Signale wahrnimmst und ihn nicht in jede Begegnung hineinführst.
Auch für Hunde, die bei Artgenossen schnell aufgeregt werden, kann es hilfreich sein zu lernen, dass ein anderer Hund nicht automatisch bedeutet: Jetzt gibt es Kontakt.
Ruhiges Vorbeigehen gehört genauso zu einem entspannten Hundealltag wie gemeinsames Spielen.
„Meiner tut nichts!“
Fast jeder Hundehalter hat diesen Satz vermutlich schon einmal gehört.
Natürlich ist es schön, wenn ein Hund freundlich und sozial ist. Trotzdem bedeutet das nicht automatisch, dass der entgegenkommende Hund Kontakt möchte.
Vielleicht ist er gerade im Training.
Vielleicht hat er Schmerzen.
Vielleicht befindet er sich nach einer Operation in der Rehabilitation.
Vielleicht ist er unsicher oder hatte schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden.
Oder vielleicht möchte er heute schlicht seine Ruhe haben.
Wir kennen die Geschichte eines fremden Hundes nicht.
Deshalb ist es sinnvoll, vor einem direkten Kontakt kurz mit dem anderen Halter Rücksprache zu halten – statt den eigenen Hund einfach hinlaufen zu lassen.
Wann kann Kontakt sinnvoll sein?
Wenn beide Hunde entspannt wirken und beide Halter mit der Begegnung einverstanden sind, spricht grundsätzlich nichts gegen einen kurzen Kontakt.
Noch angenehmer kann es sein, zunächst ein kleines Stück gemeinsam in dieselbe Richtung zu laufen.
Dadurch müssen sich die Hunde nicht frontal begegnen und können sich in Bewegung kennenlernen.
Auch hier gilt: Beobachte die Hunde.
Bleibt die Situation locker? Können sie sich voneinander lösen? Möchten beide Kontakt?
Dann darf eine Hundebegegnung genau das sein, was sie sein sollte: entspannt.
Und was ist mit Freilauf?
Im Freilauf haben Hunde grundsätzlich mehr Möglichkeiten, ihre Distanz selbst zu regulieren.
Sie können Bögen laufen, sich entfernen und ihre Geschwindigkeit anpassen.
Das bedeutet aber nicht, dass jeder freilaufende Hund automatisch zu jedem anderen Hund laufen sollte.
Besonders wenn euch ein angeleinter Hund entgegenkommt, ist Rücksicht gefragt.
Es kann einen guten Grund geben, warum dieser Hund gerade an der Leine geführt wird.
Den eigenen Hund kurz zu sich zu nehmen und zunächst nachzufragen, verhindert viele unnötig stressige Situationen.
Qualität statt Quantität
Für ein gutes Sozialverhalten braucht dein Hund nicht möglichst viele zufällige Hundekontakte.
Viel wichtiger sind passende und positive Begegnungen.
Ein paar vertraute Hunde, mit denen dein Hund entspannt laufen, schnüffeln oder spielen kann, können wertvoller sein als täglich wechselnde Kontakte mit fremden Hunden.
Und manchmal besteht eine gute Hundebegegnung einfach darin, sich kurz wahrzunehmen und anschließend entspannt aneinander vorbeizulaufen.
Auch das ist Kommunikation.
Unser Fazit
Beschnuppern oder Abstand halten?
Beides kann richtig sein.
Nicht jeder Hund möchte jeden Artgenossen kennenlernen – und nicht jede Begegnung eignet sich für direkten Kontakt.
Beobachte deshalb deinen Hund und die Situation. Wirkt er locker und interessiert? Möchten beide Hunde Kontakt? Ist genügend Platz vorhanden?
Dann kann ein kurzes Kennenlernen vollkommen in Ordnung sein.
Zeigt dein Hund dagegen, dass er Abstand braucht, darfst du ihm diesen auch geben.
Denn eine gelungene Hunderunde erkennt man nicht daran, wie viele Hunde dein Vierbeiner begrüßt hat – sondern daran, dass er sich unterwegs sicher und wohl fühlen konnte.