Diese 5 „normalen“ Alterserscheinungen würden wir nicht einfach aufs Alter schieben
„Er wird eben alt.“
Diesen Satz hört man bei älteren Hunden ziemlich häufig.
Der Hund braucht länger zum Aufstehen, läuft nicht mehr ganz so schnell, schläft mehr oder möchte plötzlich nicht mehr ins Auto springen.
Natürlich verändert sich der Körper mit zunehmendem Alter. Aber nicht jede Veränderung sollten wir automatisch als unvermeidbare Alterserscheinung hinnehmen.
Denn manchmal steckt hinter dem vermeintlichen „Altwerden“ etwas, bei dem wir unseren Hund unterstützen können.
Diese fünf Veränderungen würden wir deshalb nicht einfach aufs Alter schieben.
1. Dein Hund braucht plötzlich länger zum Aufstehen
Nach einem gemütlichen Nickerchen steht dein Hund auf – aber die ersten Schritte sehen irgendwie steif aus.
Nach kurzer Zeit läuft er sich ein und alles scheint wieder normal.
Gerade bei Seniorhunden wird das schnell mit dem Alter erklärt.
Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Schwierigkeiten beim Aufstehen oder eine sogenannte Anlaufsteifigkeit können beispielsweise im Zusammenhang mit Veränderungen an Gelenken oder Muskulatur auftreten.
Beobachte deshalb:
Braucht dein Hund immer länger, bis er aufsteht?
Belastet er zunächst einzelne Beine weniger?
Muss er mehrere Versuche unternehmen?
Läuft er nach einigen Minuten deutlich besser als direkt nach dem Aufstehen?
Solche Veränderungen können wertvolle Hinweise liefern.
2. Er möchte plötzlich nicht mehr springen
Früher war dein Hund mit einem Satz im Kofferraum.
Heute steht er davor und schaut dich erwartungsvoll an.
Auch das Sofa wird plötzlich erst einmal kritisch betrachtet.
Natürlich muss ein älterer Hund nicht mehr überall hoch- und runterspringen. Tatsächlich kann es sogar sinnvoll sein, hohe Sprünge im Alter zu reduzieren und beispielsweise eine Rampe zu verwenden.
Interessant ist aber vor allem die Veränderung.
Wenn dein Hund etwas, das er jahrelang problemlos gemacht hat, plötzlich vermeidet, kann dahinter mehr als fehlende Motivation stecken.
Vielleicht ist die Bewegung unangenehm geworden oder ihm fehlt inzwischen die notwendige Kraft und Stabilität.
3. Die Hinterbeine werden schwächer
„Hinten wird er langsam ein bisschen wackelig.“
Auch diesen Satz hören wir bei älteren Hunden häufig.
Mit zunehmendem Alter kann Muskulatur abgebaut werden. Gleichzeitig können verschiedene orthopädische oder neurologische Veränderungen Einfluss darauf haben, wie sicher ein Hund auf seinen Hinterbeinen steht.
Auffallen kann das beispielsweise dadurch, dass dein Hund:
beim Aufstehen mit den Hinterbeinen wegrutscht
Schwierigkeiten auf glatten Böden bekommt
beim Stehen häufiger sein Gewicht verlagert
Treppen vorsichtiger läuft
beim Spaziergang hinten schneller müde wird
insgesamt weniger stabil wirkt
Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Erkrankung dahintersteckt.
Aber gerade Veränderungen der Hinterhand sollte man nicht einfach ignorieren.
4. Die Spaziergänge werden immer kürzer
Natürlich wird aus einem zwölfjährigen Senior nicht plötzlich wieder ein zweijähriger Junghund.
Das muss er auch gar nicht.
Trotzdem sollte man genauer hinschauen, wenn sich die Bewegungsfreude deutlich verändert.
Möchte dein Hund plötzlich wesentlich früher nach Hause?
Bleibt er häufiger stehen?
Läuft er hinter dir statt vor dir?
Vermeidet er bestimmte Wege oder Steigungen?
Wird sein Gangbild im Laufe des Spaziergangs schlechter?
Dann ist die Erklärung „Er ist halt alt“ möglicherweise etwas zu einfach.
Vielleicht fehlt Muskulatur. Vielleicht ist eine bestimmte Bewegung unangenehm. Vielleicht war die Runde zu lang.
Entscheidend ist nicht, dass dein Senior dieselben Strecken schafft wie früher.
Entscheidend ist, dass die Bewegung zu seinem aktuellen Körper passt.
5. Dein Hund schläft plötzlich viel mehr
Hunde schlafen und ruhen ohnehin einen großen Teil des Tages – und auch das Ruhebedürfnis kann sich im Alter verändern.
Trotzdem solltest du aufmerksam werden, wenn dein Hund plötzlich deutlich weniger Interesse an Dingen zeigt, die ihm früher Freude gemacht haben.
Er möchte nicht mehr mitkommen.
Er spielt kaum noch.
Er steht nur widerwillig auf.
Er zieht sich häufiger zurück.
Oder er verbringt plötzlich fast den gesamten Tag auf seinem Schlafplatz.
Mehr Ruhe kann zum Älterwerden gehören.
Eine deutliche Veränderung des Aktivitätslevels kann aber auch andere Ursachen haben – beispielsweise Schmerzen oder andere gesundheitliche Veränderungen.
Deshalb gilt auch hier:
Nicht das Alter allein ist interessant, sondern die Veränderung gegenüber früher.
Der wichtigste Vergleich ist dein eigener Hund
Seniorhunde sind genauso unterschiedlich wie junge Hunde.
Der eine ist mit zwölf Jahren noch begeistert im Wald unterwegs, während ein anderer im gleichen Alter deutlich mehr Unterstützung benötigt.
Deshalb bringt es wenig, deinen Hund mit anderen Hunden seines Alters zu vergleichen.
Viel interessanter ist:
Wie hat sich dein eigener Hund verändert?
Wie ist er vor sechs Monaten aufgestanden?
Wie lief er vor einem Jahr die Treppe?
Wie lange waren eure Spaziergänge früher?
Springt er noch genauso selbstverständlich ins Auto?
Gerade schleichende Veränderungen fallen uns im Alltag häufig nicht sofort auf.
Alte Videos können dabei überraschend hilfreich sein.
Manchmal erkennt man erst im direkten Vergleich, wie sehr sich eine Bewegung verändert hat.
Alt werden ja – Beschwerden einfach hinnehmen nein
Natürlich können wir den Alterungsprozess nicht verhindern.
Muskulatur, Gelenke, Koordination und Belastbarkeit verändern sich mit den Jahren.
Das Ziel sollte deshalb auch nicht sein, aus einem Senior wieder einen jungen Hund zu machen.
Aber wir können versuchen, seine vorhandene Mobilität möglichst lange zu erhalten.
Je nach Hund können dabei beispielsweise angepasste Bewegung, Muskeltraining, Veränderungen im Alltag und physiotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein.
Manchmal machen schon kleine Dinge einen Unterschied:
Ein rutschfester Teppich auf glatten Böden.
Eine Rampe für das Auto.
Kürzere, dafür passende Spaziergänge.
Oder gezielte Übungen zum Erhalt der Muskulatur.
Wann solltest du genauer hinschauen?
Nicht jede kleine Veränderung bedeutet automatisch, dass dein Hund Schmerzen hat oder krank ist.
Wenn eine Veränderung allerdings neu auftritt, deutlich stärker wird oder mehrere Auffälligkeiten gleichzeitig auftreten, sollte sie abgeklärt werden.
Besonders bei plötzlichen Veränderungen ist eine tierärztliche Untersuchung wichtig.
Denn bevor wir etwas behandeln oder trainieren, sollten wir wissen, warum sich dein Hund anders bewegt.
Unser Fazit
Langsamer werden, mehr schlafen und weniger wild durch die Gegend springen – natürlich verändert sich ein Hund mit zunehmendem Alter.
Aber „Er ist halt alt“ sollte nicht automatisch die Erklärung für jede Veränderung sein.
Wenn dein Hund plötzlich Schwierigkeiten beim Aufstehen bekommt, Sprünge vermeidet, hinten instabiler wird, deutlich kürzere Spaziergänge möchte oder sich sein Aktivitätslevel stark verändert, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Nicht jede dieser Veränderungen bedeutet automatisch eine Erkrankung.
Aber jede Veränderung erzählt uns etwas über den aktuellen Zustand unseres Hundes.
Und je früher wir erkennen, dass sich etwas verändert, desto früher können wir überlegen, wie wir unseren Senior sinnvoll unterstützen können.
Denn älter werden gehört dazu – unnötige Einschränkungen einfach hinzunehmen nicht.